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Montag, 16. März 2015

Herz und Seele - DONE

Vertraust du jemandem,
öffnest du einen Teil deiner Seele...

Gib gut darauf acht,
wem du dein Vertrauen schenkst,
denn es könnte dich den letzten Teil deiner Seele kosten.

Vertraust du jemandem,
öffnest du einen Teil deines Herzens...

Gib gut darauf acht,
wem du dein Vertrauen schenkst,
denn es könnte dich den letzten Teil deines Herzens kosten.

Vertraust du jemandem...

Gib gut darauf acht,
wem du dein Vertrauen schenkst,
denn du hast nur ein Herz und eine Seele.

Vertraue dir selbst,
du kennst dein Herz und deine Seele kennt dich.

Nemesis

Samstag, 14. März 2015

Mauer des Schweigens - DONE

"Reden hilft ...!"
Das waren mehr als einmal meine Worte ...
"Reden hilft ...!"
Habe ich unzählige Male gesagt ...
"Reden hilft ...!"
Das weiß ich selbst nur zu genau ...

Warum halte ich mich nicht selbst an das,
was ich anderen immer rate?
Warum baue ich um mich herum eine Mauer des Schweigens auf?
Warum habe ich nicht den Mut zu reden?

... reden über das, was mich im Moment am meisten beschäftigt ...
Unsicherheit, Angst, aber auch Freude und Neugier ...

Alles zusammen kämpft in mir ...

"Reden hilft ...!"

Nemesis




Sonntag, 8. März 2015

Worte an einen guten Freund - DONE

Ich weiß genau, es wird die Zeit kommen,
da werde ich oft an unsere vielen Gespräche zurückdenken.

Wann das ist?

Vielleicht ist es gut, das nicht vorher zu wissen.
Es könnte schon morgen sein.......

Und ich weiß auch eines, es wird ein leises "Lebewohl" sein,
keines mit vielen Worten.

Freundschaft ist die Fähigkeit,
loslassen zu können auch wenn es noch so weh tut.

Die Zeit ist gekommen.... adieu....

Nemesis

Das Rationale am Menschen sind die Einsichten, die er hat.
Das Irrationale an ihm ist, dass er nicht danach handelt.

Friedrich Dürrenmatt

Donnerstag, 5. März 2015

Stille Freude - DONE

Ich bekomme etwas geschenkt,
ich freue mich riesig darüber,
ich habe Tränen in den Augen,
ich möchte so gern Danke sagen,
ich finde einfach keine Worte,
ich schweige...

Kennt ihr sowas?
Man möchte Worte finden,
hat aber einen Kloß im Hals.
Man hat ein schlechtes Gewissen,
man denkt das Danke und hofft,
dass es trotzdem ankommt...
Danke...

Nemesis

Freitag, 27. Februar 2015

Flucht - DONE

Wahre Freundschaft ist Herzenswärme,
vor der man manchmal grundlos flüchtet...

Wirklich grundlos?
Ist es nicht doch die Angst vor weiteren Narben auf der Seele,
die ein falscher Freund einem zugefügt hat?

Nemesis

Mittwoch, 25. Februar 2015

Wenn du gehst - DONE

Wenn du nicht weißt wohin,
zeige ich dir den Weg.
Wenn es dir zu schwer wird,
nehme ich dir die Last von deinen Schultern.

Wenn du weinen willst lehne dich an mich an.
Wenn du fällst fange ich dich auf.
Wenn du durch die Hölle gehst,
bin ich an deiner Seite.

Wenn du nichts siehst,
nehme ich deine Hand.
Wenn du reden willst,
höre ich dir zu.

Wenn du dich alleine fühlst,
stehe ich neben dir.
Wenn du verzweifelst,
nehme ich dich in den Arm.

Aber auch wenn du lachst,
lache ich mit dir.
Wenn du glücklich bist,
freue ich mich auch.
Wenn du etwas geschafft hast,
bin ich stolz auf dich.

Und merke dir eins:
Wenn du gehst,geh ich auch!...
Ich bin immer für dich da.
Egal was passiert!

Unbekannt


Aber irgendwann ist auch immer...
vorbei...
Vergangenheit...

Wenn die Enttäuschung zu groß ist,
muss man loslassen...

Nemesis


Dienstag, 24. Februar 2015

Herz und Seele - DONE

Vertraust du jemandem, öffnest du einen Teil deiner Seele...

Gib gut darauf acht, wem du dein Vertrauen schenkst,
denn es könnte dich den letzten Teil deiner Seele kosten.

Vertraust du jemandem, öffnest du einen Teil deines Herzens...

Gib gut darauf acht, wem du dein Vertrauen schenkst,
denn es könnte dich den letzten Teil deines Herzens kosten.

Vertraust du jemandem...

Gib gut darauf acht, wem du dein Vertrauen schenkst,
denn du hast nur ein Herz und eine Seele.

Vertraue dir selbst,
du kennst dein Herz und deine Seele kennt dich.

Nemesis

Samstag, 21. Februar 2015

Mauer des Schweigens - DONE

"Reden hilft ...!"
Das waren mehr als einmal meine Worte ...
"Reden hilft ...!"
Habe ich unzählige Male gesagt ...
"Reden hilft ...!"
Das weiß ich selbst nur zu genau ...

Warum halte ich mich nicht selbst an das,
was ich anderen immer rate?
Warum baue ich um mich herum eine Mauer des Schweigens auf?
Warum habe ich nicht den Mut zu reden?

... reden über das, was mich im Moment am meisten beschäftigt ...

Unsicherheit, Angst, aber auch Freude und Neugier ...

Alles zusammen kämpft in mir ...

"Reden hilft ...!"

Nemesis




Samstag, 14. Februar 2015

Stille Freude - DONE

Ich bekomme etwas geschenkt,
ich freue mich riesig darüber,
ich habe Tränen in den Augen,
ich möchte so gern Danke sagen,
ich finde einfach keine Worte,
ich schweige...

Kennt ihr sowas?
Man möchte Worte finden,
hat aber einen Kloß im Hals.
Man hat ein schlechtes Gewissen,
man denkt das Danke und hofft,
dass es trotzdem ankommt...
Danke...

Nemesis

Freitag, 13. Februar 2015

Worte an einen guten Freund - DONE

Ich weiß genau, es wird die Zeit kommen,
da werde ich oft an unsere vielen Gespräche zurückdenken.

Wann das ist?

Vielleicht ist es gut, das nicht vorher zu wissen.
Es könnte schon morgen sein.......

Und ich weiß auch eines, es wird ein leises "Lebewohl" sein,
keines mit vielen Worten.

Freundschaft ist die Fähigkeit,
loslassen zu können auch wenn es noch so weh tut.

Die Zeit ist gekommen.... adieu....

Nemesis

Das Rationale am Menschen sind die Einsichten, die er hat.
Das Irrationale an ihm ist, dass er nicht danach handelt.

Friedrich Dürrenmatt

Freitag, 1. August 2014

Der Tunnel - DONE

"Du kannst immer noch ablehnen, wenn Du Angst hast!" Lauernd schaut Ralf den Jungen an, der etwas blaß vor ihm steht. Würde der Neue sich auf die Mutprobe einlassen?

Ja, wer als 'Schwarzer Falke' in ihre Clique aufgenommen werden wollte, der musste schon beweisen, dass er eine gehörige Portion Mumm in den Knochen hatte. Zu fünft umstehen sie den Jungen, dessen Blick unruhig zwischen ihren Gesichtern und seinen Fußspitzen umherwanderte. Er war dreizehn Jahre alt, nein, eigentlich schon fast vierzehn, wenn er es genau nimmt, denn von seinem Geburtstag trennt ihn jetzt nicht mal mehr ein halbes Jahr. Seine verwaschenen Jeans sin kurz unterhalb der Knie abgeschnitten, die Füße stecken in ausgelatschten Turnschuhen und das weiße T-Shirt hat auch schon bessere Tage gesehen. Ein paar Strähnen hellblonden Haares fallen ihm dünn ins Gesicht. Jetzt bleibt sein Blick an Ralf hängen. Mit seinen Fünfzehn Jahren ist er der Älteste und Größte der 'Schwarzen Falken'. Wie bei allen anderen ist auch in sein Hemd mit schwarzem Faden ein kleiner Vogelkopf eingenäht, das Zeichen der Clique. Ralf war der Häuptling, der Anführer, und er durfte bestimmen was ein 'Neuer' tun musste, um aufgenommen zu werden.
Spöttisch grinsend erwidert Ralf Jochens Blick.

Niemand sagt mehr etwas und Jochen schaut unsicher auf die Bahnschienen. Nach Süden führt der Bahndamm in einer weiten Kurve das Flußtal hinunter und verschwindet dann zwischen den ersten Häusern von Haidheim, einem Vorort von Albstadt. Ein Signal steht auf 'HALT'. Links von ihm verschwinden die Schienen im Tunnel. Jochen hält das Schweigen nicht mehr länger aus. Mit ein paar schnellen Schritten springt er auf die Schienen. Die Tunnelöffnung ist mit schweren Steinquadern gebaut und im obersten Stein des Rundbogens ist die Zahl '1923' eingemeißelt. Die Schienen verschwinden schon nach wenigen Metern im Dunkeln und obwohl der Tunnel nur wenige hundert Meter lang ist, ist von hier aus kein Ende abzusehen. Jochen weiß, daß der Tunnel im Hügel eine Kurve beschreibt, um dann kurz vor Fritzenberg wieder ans Tageslicht zu treten.

"Nun?" Plötzlich steht Ralf neben ihm. Jochen holt tief Luft: "Ich mache es..." "Fein", grinst Ralf und wendet sich zu seinen Kameraden. "Hannes, Peter, ihr kommt mit mir. Martin, Thomas, ihr bleibt hier bei Jochen. Uhrenvergleich. Jetzt ist es 17.43 Uhr. Der Zug fährt in Fritzenberg um 17.58 Uhr ab und zur gleichen Zeit schickt ihr Jochen los. Und nun zu dir." Ralf blickt Jochen an und fährt dann fort: "Du hast die Probe bestanden, wenn du am anderen Ende des Tunnels auf mich, Hannes und Peter stößt. Du gehst auf dem schmalen Schotterpfad, der rechts zwischen Schwellen und Felswand verläuft. In der Mitte wird dir der Zug begegnen. Sobald er kkommt, wirfst du dich flach auf den Schotter und rührst dich keinen Zentimeter. Verstanden? Versuch' ja nicht stehenzubleiben oder weiterzulaufen, der Tunnel ist zu eng und der Fahrtwind würde dich unter die Räder reißen, klar !?"

"Ja ... klar", hörte sich Jochen sagen. Er schließt die Augen und hört wie Ralf mit den beiden anderen schnaufend den bewaldeten Hügel hochsteigt. Eine Weile noch hört er das Rascheln der Schritte im Laub, dann ist es still. Thomas und Martin sitzen ein Stück abseits und unterhalten sich flüsternd. Obwohl die Sonne bereits hinter dem Hügel verschwunden ist, ist es immer noch frühsommerlich warm. Im Wald über dem Tunnel singen ein paar Vögel. Jochen, der vor der Öffnung steht, spürt, wie daraus ein feuchtkalter Hauch kriecht.

Seine Uhr tickt. 17.53 Uhr, noch fünf Minuten. Er hat Angst. Was soll er tun? Weglaufen? Nein, niemals, er will die Chance nicht vorbeigehen lassen, er will endlich auch irgendwo dazugehören! Langsam rückt der Zeiger vor. Noch eine Minute. Jochen zwingt sich zur Ruhe und verfolgt angespannt das Vorrücken des Sekundenzeigers. "Auf geht's", ruft ihm Thomas zu, "und denk ja nicht, du könntest umkehren. Wir bleiben hier sitzen!"

Jochen springt auf. Ein paar Steine spritzen, als er den Schotterpfad betritt. unter seinen Füßen knirschen die Steine. Mit hastigen Schritten läuft er ins Dunkel. Eine feuchtkalte Luft empfängt ihn. Er spürt die Gänsehaut, die an seinen nackten Armen emporkriecht. Seine rechte Hand gleitet über unbehauene Felswände, wird von rauhen Vorsprüngen aufgeschrammt. Gut, dass der Schotter so knirscht, das übertönt die entsetzliche Stille, die hier auf einmal herrscht. Seine Schritte hallen in der engen Röhre wieder. Von oben tropft es. Langsam beginnt er, ruhiger zu werden. Er schlägt ein gleichmäßiges Schritttempo ein. Als er zurückblickt, liegt die Öffnung bereits als kleiner werdende Lichtscheibe hinter ihm. Für einen kurzen Augenblick denkt er daran, was anders sein wird, wenn er die Mutprobe bestanden hat. Gedanken an Freundschaft und Geborgenheit steigen in ihm hoch. Ach was! - noch ist es nicht überstanden und Jochen bleibt stehen, um einen kurzen Blick auf die Leuchtziffern seiner Armbanduhr zu werfen. 18.03 Uhr, eigentlich müsste er jetzt in der Mitte sein. Wo bleibt der Zug? Wo bleibt der Zug? Zur gleiche Zeit steht Ralf am anderen ende des Tunnels und blickt missmutig auf die Uhr.

"Der Zug hat Verspätung", brummt er zwischen den Zähnen Hannes zu. "Was machen wir mit Jochen, wenn er hier ist, bevor der Zug durchgefahren ist?" Hannes zuckt mit den Schultern und will etwas sagen, aber da ruft auch schon Peter vom Hügel herunter: "Jetzt ... er kommt ... ich seh ihn ... gerade fährt er aus Fritzenberg 'raus!" Hannes und Jochen sehen sich erleichtert an.

Drinnen im Tunnel sieht Jochen jetzt schon den Ausgang. Die schwache Scheibe Tageslicht zieht ihn geradezu magisch an, immer schneller läuft er darauf zu. Wenn der Zug nicht kommt, ist das schließlich nicht seine Schuld. 'Wenn du auf Hannes, Peter und mich stößt, hast du die Mutprobe bestanden', hieß es doch! Er stolpert und fällt hart auf die groben Schottersteine. Sein linkes Knie schmerzt und stöhnend richtet er sich wieder auf. Humpelnd läuft er weiter. Jetzt kann er schon eine kräftige Gestalt draußen vor dem Tunnel ausmachen, nein, es sind sogar zwei Silhouetten! "Der eine ist Ralf", denkt Jochen und muss einen Augenblick stehenbleiben, um sein schmerzendes Knie zu reiben. In diesem Augenblick hört er auch ein feines Sirren in den Schienen. Der Zug.
"Vielleicht schaffe ich es noch, bevor er den Tunnel erreicht!?"
"Ich schaffe es", denkt Jochen, "ich schaffe es!"Humpelnd stürzt Jochen vorwärts. Noch fünfzig Meter bis ins Freie. Das Sirren wird heftiger.

Noch zwanzig Meter, als draußen gellend eine Pfeife aufheult und das Sirren der Gleise sich zu einem ohrenbetäubenden Krach steigert. Am Ausgang stehen Ralf und Hannes. Hannes blickt befriedigt auf die nahende Diesellok, während Ralf noch einen letzten Blick in den Tunnel wirft. Was ist das? Etwas Weißes bewegt sich aus dem Dunkeln auf ihn zu. "Jochen", entfährt es Ralf und im gleichen Augenblick heult neben ihm die Pfeife des Zuges auf. "RUNTER", schreit er dem humpelnden Jochen entgegen, "FLACHLEGEN!", aber das Gebrüll des Zuges übertönt alles. "J O C H E N ! ! !"

Uwe Roller



Samstag, 26. Juli 2014

Die Frau aus dem Regenbogen - DONE

Es war einmal ein Mann, der in seiner Jugend etwas sehr Seltsames erlebt hatte. Niemals hatte er darüber gesprochen, niemandem davon erzählt. Doch immer hatte er dieses Erlebnis in sich getragen und keinen einzigen Augenblick davon vergessen.

An einem lauen Sommerabend saß dieser Mann mit seinem Sohn unter einem Baum, um sich ein wenig auszuruhen. Und an diesem Abend begann er zu erzählen, gerade als die Sonne sich verabschiedete, und die Nacht sanft und warm den Alten und seinen Sohn in ihre Arme nahm: 'Unter diesem Baum, mein Junge, da bin ich vor vielen, vielen Jahren auch gesessen, als mir damals etwas Unerklärliches und Geheimnisvolles geschah.'

Sein Sohn blickte ihn erstaunt an. Nie war sein Vater ein großer Erzähler gewesen. Doch nun fuhr er fort: 'Es war auch so ein warmer Sommertag wie heute. Ich war noch jung, etwa in deinem alter. Ich suchte ein wenig Ruhe und ging spazieren, als mich plötzlich ein Regen überraschte, einer von diesen kurzen, aber heftigen Sommerregen. Unter diesem Baum fand ich damals Schutz. Und nach dem Regen blieb ich noch ein wenig sitzen, um mich von der Sonne wieder wärmen und trocknen zu lassen.' Er atmete tief durch, schwieg eine Weile und blickte seinem Sohn forschend in die Augen. Dieser erwiderte den Blick seines Vaters offen und aufmerksam und wartete.

'Ja', sprach der Alte weiter, 'dann geschah es. Ich weiß nicht ob ich eingeschlafen war oder was auch immer geschehen sein mag, jedenfalls schreckte ich plötzlich auf. Ein unglaublich schöner Regenbogen überspannte den ganzen Himmel. Doch seltsam: das Ende des Regenbogens schien nur einige Meter von mir entfernt zu sein. Ich war verwirrt und wusste nicht, wie mir geschah. Da trat plötzlich aus diesem Rausch der Farben eine Frau auf mich zu.' Sein Sohn runzelte ein wenig die Stirn. Der Alte nahm dies wohl wahr, redete aber einfach weiter: 'ich weiß, daß das verrückt klingt. Aber glaub mir: Genauso ist es damals geschehen.'

Noch einmal holte er tief Luft. 'Diese Frau war ein Traum. Sie war alles, was sich ein Mann bei einer Frau nur wünschen kann, ich meine nicht nur Äußerlichkeiten. Obwohl ich sie ja nie zuvor gesehen hatte, wusste ich das alles sofort. Wirklich seltsam...'Er schüttelte nachdenklich den Kopf. 'Nun ja, wie dem auch sei', nahm er den Faden wieder auf, 'diese Frau aus dem Regenbogen setzte sich neben mich und sprach mit mir. Um ehrlich zu sein: Ich sprach mit ihr. Sie selbst sagte eigentlich nur drei Sätze. Aber ich erzählte und erzählte und konnte gar nicht aufhören. Vielleicht war es die Aufregung, vielleicht meine Unsicherheit, wer weiß? Ich redete von mir und meinen Träumen, von meinen Sorgen und Nöten, von allem möglichen. Später schämte ich mich, weil ich wie ein Wasserfall geredet hatte. Doch ich glaube, sie hat es verstanden.Wohl niemals in meinem Leben habe ich so viel und so lange geredet wie damals.'

Sein Sohn blickte ihn liebevoll an, fühlte sich seinem Vater auf einmal sehr nahe und hätte ihn am liebsten in die Arme genommen. Doch er tat es nicht, sondern fragte: 'Diese drei Sätze, Vater, erinnerst du dich noch an sie?' 'Aber sicher', nickte sein Vater, 'ich habe sie nie vergessen. Es waren eigenartige Sätze. Einer lautete: 'Es liegt in deiner Hand, du bestimmst dein Leben, auch wenn es nicht immer so scheint.' Nachdenklich blickte er vor sich hin und schwieg. 'Und die anderen Sätze?' fragte sein Sohn weiter. 'Ach ja!' Der Alte schien aus seinem Traum zu erwachen, und es war, als müsse er erst wieder zu sich finden. Doch dann sprach er weiter 'der zweite Satz war: Versuche die Menschen zu lieben, auch wenn sie es dir nicht leicht machen werden. Ich glaube, dass ich diesen Satz einigermaßen verstanden habe. Immer habe ich im Grunde versucht, auch so zu leben, obwohl ich heute fürchte, dass ich viel zu selten geliebt habe.' Wieder lächelte sein Sohn, und dieses mal war er es, der eine Weile nachdenklich vor sich hinblickte.'Der dritte Satz', fuhr sein Vater fort, 'war der seltsamste. Ich habe ihn wohl nie ganz begriffen: Laß es so geschehen, wie es ist, auch wenn du manchmal lieber gegen vieles kämpfen möchtest.'

Er schwieg, und es schien, als habe er die Erzählung beendet. Gedankenverloren folgte der Blick seines Sohnes einem welken Blatt, dass im leichten Sommerwind zur Erde schwebte. Schließlich sagte er, 'Es lohnt sich, über alle drei Sätze nachzudenken und zu reden, Vater. Mir scheint , du hast sie meistens nur mit dir herumgetragen und nur wenig davon verstanden, wenn ich dich und dein Leben so betrachte.'Sein Vater blickte ihm aufmerksam ins Gesicht. 'Da magst du vielleicht recht haben', sagte er traurig und fuhr fort: 'Weißt du, je älter ich wurde, desto mehr habe ich das auch gefühlt. Doch denke ich, dass nicht jeder dieser drei Sätze so stimmen muss. Man kann darüber auch streiten - obwohl ich es manchmal, tief in mir, anders fühle. Und heute ist es für vieles zu spät, mein Sohn.'

'Ich weiß nicht, Vater', sagte der junge Mann. 'Oft ist es nur eine Ausrede, wenn jemand so etwas sagt. Aber wie ging denn die Geschichte mit dieser Frau weiter?' Jetzt war es der Vater, der seinen Sohn liebevoll anblickte und am liebsten in die Arme genommen hätte. Auch er erzählte stattdessen weiter: 'Es war damals der spät geworden über meinem vielen Gerede und bereits dunkel, als ich auf einmal nichts mehr zu reden wusste. Da setzte sich diese Frau zu mir und nahm mich in die Arme.' Der Alte lächelte und seufzte tief. 'Und dann war sie sehr zärtlich zu mir. Ich glaube, sie brachte mir die Liebe bei, wie man das zu nennen pflegt. Nie wieder habe ich solch eine Frau erlebt.'

Du meinst körperliche Liebe?' wollte sein Sohn wissen. Der Vater nickte: 'Ja und nein. Es war mehr als körperliche Liebe, da war so vieles.' Wieder schwieg er eine ganze Weile, bevor er stockend weitererzählte: 'Es ist nicht einfach in Worte zu fassen, was da geschah. Weißt du, es war, als würde ich plötzlich losfliegen, mitten in den Sternenhimmel über uns. Der Mond hob mich empor und nahm mich in sich auf. Und die Sonne gab mir Kraft und zündete etwas in mir an, obwohl sie nicht einmal zu sehen war. Und die Sterne tanzten um mich, und ich flog mitten ins All, ins Herz aller Dinge. Und ich fühlte und erlebte, was ich einfach nicht beschreiben kann. Die Zeit stand still, und dann raste sie wieder an mir vorbei. Mein Körper schien auseinander zu brechen, und doch fühlte ich mich so fest und sicher in mir wie nie zuvor. Manchmal dachte ich, vor lauter Leidenschaft irre zu werden, und doch war es in mir unheimlich still und friedlich.' Er schüttelte den Kopf. 'Ach, es ist einfach unbeschreiblich gewesen, im wahrsten Sinne des Wortes, was diese Frau damals mit mir gemacht hat.'

Vater und Sohn blickten sich lange an. Dann sagte der Sohn: 'Es war ja nicht nur die Frau, die etwas gemacht hat. Du hast ja auch dazu beigetragen, oder nicht?' Sie saßen eine ganze Zeit lang schweigend beieinander. Es war still unter dem Baum und in der Nacht, und ein klarer, wunderschöner Sternenhimmel tat sich über ihnen auf. Die beiden Männer hingen ihren Gedanken nach, jeder seinen und doch den gleichen. Irgendwann räusperte sich der Sohn und fragt: 'Und was geschah dann noch weiter, Vater?' Sein Vater hob den Kopf, und wieder schien es, als wäre er eben erst aus einer anderen Welt zurückgekehrt. Schließlich antwortete er: 'Eigentlich nichts Besonderes. Irgendwann in der Nacht bin ich damals zu mir gekommen. Es hat lange gedauert, bis ich mich und meinen Verstand wieder beisammen hatte. Die Frau war verschwunden und ich habe sie bis heute niemals wieder gesehen.'Auf einmal schien er dem Weinen nahe. 'Weißt du, mein Junge, ich habe sie immer gesucht. Hier unter diesem Baum, in jedem Regenbogen und in jeder Frau. Aber ich habe sie nie gefunden. Keine Frau war so wie sie, keine hat mir so zugehört, mir solche Sätze gesagt, mich in solche Leidenschaft versetzt. Und glaub` mir, ich habe viele Frauen gekannt. Auch deine Mutter, die ich wirklich sehr gern habe, auch sie ist nicht so wie diese Frau.' Seine Stimme wurde leiser. 'Die Frau aus dem Regenbogen...', lachte er vor sich hin, 'ich weiß nicht einmal ihren Namen. Und nie habe ich so richtig begriffen, was sie mir sagen wollte. Vielleicht habe ich deshalb mein ganzes Leben lang im Grund nur nach ihr gesucht.'

Sein Sohn blickte ihn voller Wärme an. 'Ich weiß nicht, Vater', sagte er. 'Vielleicht?' Er dachte nach, rang nach Worten und fuhr schließlich fort: 'Ich glaube, sie hat dir etwas Großes geschenkt: Liebe aus Leib und Seele.' Er atmete tief die kühler werdende Nachtluft ein. 'Ja, und du hast dieses Geschenk nicht weitergegeben, sondern dein leben lang immer mehr davon gesucht, überall und jederzeit hast du noch mehr von dieser Liebe gesucht.'Er erhob sich und streckte sich ausgiebig. 'Wie wohl jeder Mensch', sagte er dann weiter, 'wir suchen alle nach der Liebe, in jeder Frau und in jedem Mann, auch ich. Und dabei vergessen wir das Wichtigste.'

Der Vater blickte zu seinem Sohn auf, Tränen in den Augen, fassungslos, und murmelte: 'Du hast sie verstanden.' Und noch einmal: 'Ja, du hast sie verstanden.' Und dann sagte er, noch immer unter dem Baum sitzend und zu seinem Sohn aufblickend: 'Ich glaube, jetzt fange auch ich an zu verstehen. Komm, mein Junge, hilf deinem Vater nun auch noch beim aufstehen.' Der junge Mann half seinem Vater, und schweigend machten sich die beiden auf den Heimweg in dieser kühler werdenden Sommernacht. Auf einmal raschelten in dem Baum die Blätter, und der Mond schien durch die Äste genau dorthin, wo die beiden Männer gesessen waren.Weder Vater noch Sohn sprachen noch einmal über die Frau aus dem Regenbogen - aber etwas war zwischen ihnen geschehen, was unauslöschlich war. Beide hatten sich verändert. Auch die Frau des alten Mannes spürte das. Doch sie erfuhr niemals von dem Erlebnis des alten Mannes und von dem Gespräch zwischen Vater und Sohn.

Als der Sommer zu Neige ging, machte der Alte, wie so oft, einen Spaziergang am Nachmittag. Es war warm und roch nach Herbst, und etwas Eigenartiges lag in der Luft. Später regnete es kurz und heftig, und danach verzauberte ein unheimlich schöner Regenbogen den Himmel. Der junge Mann zeigte ihn seiner Mutter und dacht insgeheim an seinen Vater. Still lächelte er vor sich hin und verstand auf einmal noch mehr von der Suche seines Vaters. Wie viele Farben so fragte er sich in diesem seltsamen Augenblick, wie viele Farben mag wohl die Sehnsucht haben?

Mitten in der Nacht wurde er von seiner Mutter geweckt. Voller Sorge bat sie ihn , nach dem Vater zu suchen, weil er von seinem Spaziergang nicht heimgekehrt war. Sofort machte er sich auf den Weg. Aus irgendeinem Grunde wusste er, wo er seinen Vater finden würde. Und da war er dann auch. Still und friedlich lag er unter seinem Baum, ein glückliches Lächeln in seinem Gesicht. Der Sohn begriff sofort. Er nahm den alten Mann in seine Arme und drückte ihn liebevoll an sich. Und während er bitterlich weinend um seinen toten Vater in den Armen unter diesem Baum saß, rauschte es wieder in den Blättern, und der Mond warf ein mildes Licht auf die beiden. Da huschte ein Lächeln über das tränenüberströmte Gesicht des jungen Mannes, und er flüsterte seinem Vater ins Ohr: 'Du weißt es nun, nicht wahr? Sie hat es dir gesagt.' Er drückte ihn ein letztes Mal an sich und war sicher, dass sein Vater die Frau aus dem Regenbogen noch einmal gesehen hatte.

Heinz Körner



Freitag, 11. Juli 2014

Kostbare Erinnerung - DONE

"Mögest du dankbar bewahren in deinem Herzen die kostbare Erinnerung der guten Dinge in deinem Leben."

Die Zeiten unseres Lebens haben ihren eigenen unverwechselbaren Rhythmus. Es wiegt sich in den Zeiten der Natur von Werden und Vergehen. Es unterliegt den Gezeiten von Ebbe und Flut, von Hell und Dunkel, von tag und Nacht. Frühling, Sommer, Herbst und Winter - Jahreszeiten, die uns aufnehmen, festhalten und wieder freigeben.

Alles Leben unter dem Himmel hat seine Zeit und seine Stunde. Immer wieder leuchtet die Sonne und bläst der Wind. Und der grüne Wald nimmt unsere Schritte auf, und die gute Erde gibt uns Nahrung. Wir staunen über das Geheimnis des Lebens. Segen entfaltet sich über unserem Leben, wenn wir die kostbare Erinnerung der guten Dinge unseres Lebens in unserem Herzen bewahren.

Jeder von uns kann im Rückblick eine Fülle guter Erlebnisse entdecken. Neben all den sicherlich auch schweren Erfahrungen, von denen wir nicht verschont blieben, sind es die hellen Stunden und Tage gewesen, die uns das Leben lebens- und liebenswert machten. Eine der wichtigsten Erinnerungen ist die an Menschen, die uns das Leben ermöglicht haben, die uns mit Liebe und Sorge begleitet haben. Wir werden sie nie vergessen, die Eltern, die Familie, die Zeiten im Kreis von Menschen, die wir und die uns geliebt haben. Kostbare Erinnerungen, die zu unserem Leben gehören.

Peter Helbich



Donnerstag, 10. Juli 2014

Vernichtung - DONE

Ein alter chinesischer Kaiser hatte vor,
das Land seiner Feinde zu erobern und sie alle zu vernichten.
Später sah man ihn mit seinen Feinden speisen und scherzen.
"Wolltest du nicht deine Feinde vernichten?" fragte man ihn verwundert.

Der Kaiser antwortete:
"Ich habe sie vernichtet.
Ich machte sie zu meinen Freunden."

Unbekannt 

Dienstag, 8. Juli 2014

Ars Poetica - DONE

Wie jetzt noch ein Gedicht schreiben,
...warum nicht endgültig schweigen
und uns viel nützlicheren Dingen widmen?

Warum die Zweifel vergrößern,
alte Konflikte,
unverhoffte Zärtlichkeiten neu durchleben;

dieses Quentchen Lärm einer Welt hinzufügen,
die mehr ist, die es doch nur zunichte macht?

Wird irgendwas klarer durch solch ein Knäuel?
Niemand braucht es,
Relikt vergangener Herrlichkeiten,
wem hilft es,
welche Wunden heilt es?

Juan Gustavo Cobo-Borda (geb. 1948 in Bogotá)



Donnerstag, 3. Juli 2014

Was kostbar ist - DONE

Sind es nicht
Momente allein,
die kleinen Dinge,
die sich einbrennen
in uns für immer?

Es genügt nicht,
zu messen,
was einer hat,
was einer dir ist,
zählt viel mehr
und was
er dir schenkt an Zeit.

Schau nicht auf Äußeres,
schau in die Herzen
der Menschen allein,
nur das ist Wert,
nur das macht dich reich.

Ruth W. Lingenfelser

Montag, 30. Juni 2014

Menschlichkeit - DONE

Ich möchte, wenn ich Macht besitzen würde
der Ohnmacht meine Hilfe leihen,
um die beschwerte Seele von der Bürde
der Minderwertigkeiten zu befreien.

Ich würde,wenn mir Kraft gegeben
der Schwäche Selbstbewusstsein stärken,
sie würde sich ermannen und erheben
und nützlich sein in allen Werken.

Und wäre mir Gewalt genug beschieden,
ich würde wohl die Geister weise trennen,
damit die Gegensätze auch in Frieden
auf ihre Art und Weise leben können.

Ich wünschte mir die Seelengröße
um allen Menschen Seele einzuhauchen,
dass jeder Mensch die Kraft dazu besäße
die Liebe und die Güte zu gebrauchen,
damit die Menschheit alles Leid vergäße.

Manfred Diedrichs




Freitag, 27. Juni 2014

Erinnerungen - DONE

Schreib in den Sand, die dich betrüben,
vergiss sie und schlaf drüber ein,
denn was du in den Sand geschrieben,
das wird schon morgen nicht mehr sein.

Schreib in den Fels, was du erfahren
an Freude, Seligkeit und Glück,
denn dieser Fels nach langen Jahren
gibt dir die Inschrift noch zurück.

Schreib in dein Herz all deine Liebe,
von Nord und Süd, von Ost und West,
denn was du in dein Herz geschrieben,
das halt für alle Zeiten fest.

Betty Bo




Donnerstag, 26. Juni 2014

Verweht - DONE

In einem Dorf lebte eine Frau, deren böse Zunge durch üble Nachrede und falsche Gerüchte immer wieder Streit und Unfrieden über ihre Mitmenschen brachte.
Als eine Nachbarin sie zur Rede stellte, die sie mit einer besonders gemeinen Lüge verletzt hatte, sagte die Verleumderin: "Ich werde im Dorf bekannt machen, dass es nicht stimmt. Dann ist alles wieder gut."-

"Nicht alles", widersprach die Gekränkte, "etwas wird hängenbleiben. Es ist wie mit den Federn."-
"Mit was für Federn?"-
"Geh nach Hause, hol ein Kopfkissen, komm zu mir zurück und verstreue unterwegs alle Federn", sagte die Nachbarin.

Da die Frau ein schlechtes Gewissen hatte, kam sie diesem, ihr unverständlichen Befehl nach und war nach kurzer Zeit zurück.
"Und was nun?", fragte sie.-
"Jetzt sammelst du alle Federn wieder ein."-
"Das ist unmöglich! Ich streute sie wahllos aus. Der Wind hat sie längst verweht", wehrte sie sich.

Die Nachbarin sagte: "So ist es auch mit übler Nachrede und bösen Gerüchten. Nie können alle "Federn" wieder eingesammelt werden. Nie werden alle Worte vergessen. Etwas bleibt hängen."

Barbara Hug





Dienstag, 24. Juni 2014

Zum Nachdenken - DONE

Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schüler
in der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen.
Dann sagte sie zu den Schülern, sie sollten überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollte sie neben die Namen schreiben.

Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den Klassenraum verließen, gaben sie ihre Blätter der Lehrerin. Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den einzelnen aufgeschrieben hatten.

Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach kurzer Zeit lächelten alle. "Wirklich?" hörte man flüstern. "Ich wusste gar nicht, dass ich irgend jemandem was bedeute!" und "Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen" waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die
Listen wieder.

Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen.

Einige Jahre später war einer der Schüler in Vietnam gefallen und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Sie hatte noch nie einen Soldaten in einem Sarg gesehen - er sah so stolz aus, so erwachsen. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt hatte, ging am Sarg vorbei und erteilte ihm die letzte Ehre.

Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Soldaten, die den Sarg trugen zu ihr: "Waren Sie Mark's Mathe-Lehrerin?" Sie nickte: "Ja". Dann sagte er: "Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen."

Nach dem Begräbnis waren die meisten von Mark's früheren Schulfreunden versammelt. Mark's Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen. "Wir wollen Ihnen etwas zeigen", sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche. "Das wurde gefunden, als Mark gefallen ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen."

Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten.

"Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben" sagte Mark's Mutter. "Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt." Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Charlie lächelte ein bisschen und sagte, "Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Lade in meinem Schreibtisch".

Chuck's Frau sagte, "Chuck bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben." "Ich habe meine auch noch" sagte Marilyn.  "Sie ist in meinem Tagebuch." Dann griff Vicki, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. "Ich trage sie immer bei mir", sagte Vicki und meinte dann ohne mit der Wimper zu zucken: "Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt." Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen würden.

Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass jedes Leben eines Tages endet. Und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag sein wird. Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man sich sorgt, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind.

Unbekannt